24.04. — 12.06.2021


utakata – Die Unbeständigkeit des Moments: Tsuyoshi Hisakado, Taiyoh Mori, Rikuo Ueda, Motoi Yamamoto
unserer aktuellen Ausstellung utakata, die bis zum 12. Juni verlängert wurde.

Die Ausstellung wird gefördert durch die STIFTUNG KUNSTFONDS und das Sonderförderprogramm NEUSTART KULTUR.


Wir freuen uns sehr, Ihnen mit der kommenden Gruppenausstellung neben Arbeiten von Motoi Yamamoto und Rikuo Ueda gleich zwei neue künstlerische Positionen vorstellen zu dürfen: Tsuyoshi Hisakado und Taiyoh Mori. Tsuyoshi Hisakado lebt und arbeitet in Kyoto und kann bereits auf eine beeindruckende Ausstellungshistorie zurückblicken. So nahm der Künstler unter anderem 2019 an der 58. Biennale di Venezia teil und zeigte mit Practice of Spiral letztes Jahr seine erste umfassende Soloausstellung ... mehr lesen


Wir freuen uns sehr, Ihnen mit der kommenden Gruppenausstellung neben Arbeiten von Motoi Yamamoto und Rikuo Ueda gleich zwei neue künstlerische Positionen vorstellen zu dürfen: Tsuyoshi Hisakado und Taiyoh Mori. Tsuyoshi Hisakado lebt und arbeitet in Kyoto und kann bereits auf eine beeindruckende Ausstellungshistorie zurückblicken. So nahm der Künstler unter anderem 2019 an der 58. Biennale di Venezia teil und zeigte mit Practice of Spiral letztes Jahr seine erste umfassende Soloausstellung in dem rennomierten Toyota Municipal Museum of Art. Taiyoh Mori lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte sowohl in Japan (Designstudium, Seian University of Art and Design) als auch in Deutschland (Malerei und Grafik, Kunsthochschule Halle). Sein Werke waren bisher in zahlreichen deutschen Ausstellungshäusern zu sehen. In unserer kommenden Gruppenausstellung werden Arbeiten auf Papier und Glas mit teils installativem Charakter gezeigt, in denen Gedanken zur Vergänglichkeit und Zeitlichkeit allen Seins, aber auch die aktive Rolle des Betrachters im Augenblick der Kunstbetrachtung, auf unterschiedliche Art und Weise reflektiert werden.

Der Ausstellungstitel verweist auf die wohl bekannteste Stelle des Buchs Hōjōki, geschrieben vom japanischen Schriftsteller Kamon no Chōmei (1153-1216). Der Autor nutzt dort die Metapher eines bewegten Flusses samt seinen flüchtigen Schaumkronen (utakata), um dem buddhistischen Konzept der Vergänglichkeit Ausdruck zu verleihen. Der Zeitlichkeit betonende Charakter der ausgestellten Arbeiten lässt eine Beschäftigung aller vier Künstler mit verwandten Themen wie Erinnerung und Vergänglichkeit erkennen. So formuliert Rikuo Ueda anhand seiner mit Wind hergestellten Zeichnungen, deren charakteristische Linienstrukturen immer wieder aufs Neue einzigartige Wechselwirkungen von Stift, Papier und Naturkraft veranschaulichen, den Entstehungsprozess jeder Arbeit als ein zeitlich in sich abgeschlossenes und nicht wiederholbares Ereignis.
 
Taiyoh Mori zeichnet, anders als Ueda, zwar selbst, beschränkt sich dabei jedoch gänzlich auf nur ein grundlegendes Element jener Gattung: die Linie. Sie dient dem Künstler als Richtwert, um nach eigenen Aussagen das Verhältnis von Material, Künstler und Qualität der Arbeit zu untersuchen. Eine raum-zeitliche Komponente verleiht Mori seinen Zeichnungen, indem er Glas sowie natürlich oder künstlich erzeugte Licht-und-Schattenspiele in seine Installationen inkorporiert. Die Arbeiten treten so in direkten Kontakt zu ihrer jeweiligen Umwelt, reagieren auf Veränderungen und befinden sich folglich in einem Zustand kontinuierlichen Wandels. Der Moment der Betrachtung ist somit stets einzigartig und vergänglich.

Tsuyoshi Hisakado spürt in seinen raumübergreifenden Installationen, die Klang, Licht und Alltagsgegenstände miteinander verbinden, ortsgebundenen Geschichten und Erinnerungen nach. Sie funktionieren wie auf permanente Zufälligkeit hin choreografierte Theaterstücke, deren Komponenten dank vorprogrammierter Software zu immer anderen Zeitpunkten an- und abgeschaltet werden. Mithilfe dieser kontrolliert hervorgerufenen Zufälle, sucht Hisakado den Besucher auf die Besonderheiten von Räumen aufmerksam zu machen. Der Ausstellungsraum wird so zum Erfahrungsraum für Geschichte und zugleich eine Projektionsfläche für eigene Erfahrungen und Gedanken; ein Anliegen, das sich auch in seinen Siebdruckarbeiten widerspiegelt. Die hier regelhaft wiederkehrende Zahl Pi sowie die Kreisform fungieren dabei als Metaphern für universelle sowie absolute Phänomene.

Motoi Yamamoto arbeitet vorwiegend mit dem Rohstoff Salz, das er in zeichnerischer Manier zu großflächigen, oftmals labyrinthischen Bodeninstallationen schüttet. Diese temporären Arbeiten symbolisieren nicht nur Vergänglichkeit, sondern sind zugleich auch eine Arbeit gegen das Vergessen; das Vergessen wertvoller Erinnerungen an seine zu früh verstorbene Schwester und Ehefrau. Mit seinen zeichnerischen Arbeiten auf Spiegelglas, erweitert der Künstler jenes Konzept und schafft ähnlich wie Mori und Hisakado ein auf seine Umgebung hin geöffnetes Kunstwerk, das durch seine kontinuierliche Aktualisierung die Unbeständigkeit des Moments eindrücklich vor Augen führt.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Stiftung Kunstfonds und das Sonderförderprogramm NEUSTART KULTUR.

Tsuyoshi Hisakado / Courtesy: OTA FINE ARTS  
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